Die Tragödie am Smalls Lighthouse
Ein Felsen 22 Meilen vor der walisischen Küste
The Smalls ist ein Riff aus Quarzit, das rund 35 Kilometer südwestlich von Skomer Island aus der irischen See ragt. Bei Stürmen — die hier häufig sind und brutal sein können — bricht die See mit solcher Gewalt über den Felsen, dass Versorgungsschiffe wochenlang keinen Anleger finden. Es ist einer jener Orte, die auf der Seekarte wie eine Warnung wirken: eine punktförmige Untieffe im offenen Meer, bekannt durch die Schiffe, die auf ihr zerbrachen.
1776 errichtete Henry Whiteside hier das erste Leuchtfeuer: eine hölzerne Plattformkonstruktion auf acht eisernen Pfählen, fast 30 Meter über dem Felsengrund. Die Gestaltung — Whiteside hatte keinerlei Leuchtturm-Erfahrung, war aber ein versierter Instrumentenbauer aus Liverpool — sollte den Wellen nachgeben statt ihnen zu widerstehen. Das Ergebnis war eine wankende, ächzende Konstruktion, in der zwei Wärter abwechselnd Dienst taten, während der Sturm das Holzwerk schüttelte. In einer ruhigen Nacht konnte man vom Fels aus Pembrokeshire sehen; während eines Herbststurms war man von der Welt abgeschnitten wie auf einer fernen Insel.
Thomas Howell und Thomas Griffith
Im Winter 1801 waren zwei Männer auf The Smalls stationiert: Thomas Howell und Thomas Griffith. Über ihre genauen Biographien ist wenig überliefert; Griffith stammte wahrscheinlich aus Pembrokeshire und Howell aus der gleichen Gegend. Beide wurden nach Wales zugeordnet, und beiden war bekannt, dass sie sich nicht gut verstanden. Die Betreiber der Smalls-Leuchtturms — das Feuer war Privatbesitz einer Konzession, die an einen Liverpooler Kaufmann vergeben worden war — erachteten es dennoch als ausreichend, zwei Männer ohne formale Ausbildung als Wärter zu schicken.
Kurz nach Jahresbeginn 1801, bei schlechtem Wetter und bevor ein Versorgungsschiff anlegen konnte, starb Thomas Griffith. Die Umstände sind unklar — möglicherweise ein Unfall, möglicherweise eine Erkrankung. Thomas Howell stand nun allein auf dem Felsen, mit einem toten Kollegen und ohne Möglichkeit, die Küste zu erreichen oder von ihr aus Hilfe zu holen.
Die Entscheidung und ihre Folgen
Was Howell als nächstes tat, war aus nachvollziehbaren Motiven heraus tragisch: Er wollte nicht des Mordes verdächtigt werden. In einer Zeit, in der zwei Männer allein auf einem Felsen lebten und einer von beiden starb, war der Überlebende der naheliegendste Verdächtige. Also beschloss Howell, den Leichnam nicht im Meer zu versenken, sondern aufzubewahren — oder wenigstens sichtbar zu halten, um zu dokumentieren, dass Griffith eines natürlichen Todes gestorben war.
Er zimmerte aus Holzdielen — die in einer Hilfsbox auf der Plattform vorhanden waren — eine grobe Kiste und befestigte sie außen an der Konstruktion des Leuchtturms, auf einem Podest über dem Wasserspiegel. Doch der Fäulnisprozess und der Sturm zersetzten sowohl die Kiste als auch ihren Inhalt. Passagierschiffe, die an The Smalls vorbeifuhren, berichteten, von der Plattform des Leuchtturms eine Art Figur zu sehen, die auf- und abwankte — ein grausiges Spektakel, das die Gerüchte über Howell nicht dämpfte, sondern anfachte.
Wochen vergingen. Das schlechte Wetter hielt Versorgungsschiffe fern. Howell unterhielt das Feuer, weil es die einzige Aufgabe war, die er hatte, und weil er verstand, dass das Feuer Menschenleben rettete. Wie er diese Zeit psychologisch überstand, ist nicht überliefert. Als schließlich ein Schiff anlegen konnte und Howell abgeholt wurde, war er nach verschiedenen zeitgenössischen Berichten so entstellt von Erschöpfung, Schrecken und Einsamkeit, dass ihn seine eigene Familie zunächst nicht erkannte.
Die Reaktion der Behörden
Die Geschichte von The Smalls 1801 war nicht der erste oder einzige Fall, in dem Leuchtturmwärter unter extremen Bedingungen arbeiteten oder litten. Aber sie wurde — teilweise durch Mundpropaganda, teilweise durch schriftliche Berichte, die Trinity House erreichten — zu einem Katalysator für eine grundlegende Veränderung der Besetzungspraxis.
Die Entscheidung war ebenso einfach wie folgenreich: Isolierte Leuchttürme sollten künftig nicht mit zwei, sondern mit mindestens drei Wärtern besetzt werden. Die Logik dahinter war nüchtern: Drei Männer konnten den Tod eines vierten dokumentieren und beweisen; sie konnten eine Minderheit und Mehrheit bilden; einer konnte erkranken, ohne dass der Leuchtturmsbetrieb und das soziale Gleichgewicht zusammenbrachen. Zwei Männer allein auf einem Felsen — das war eine Konstellation, die durch keinerlei Regeln oder Verfahren stabilisiert werden konnte.
Der Leuchtturm nach 1801
The Smalls erhielt in den folgenden Jahrzehnten mehrere neue Leuchtturmbauten. Der heutige Turm, ein massiver Graniturm von 41 Metern Höhe, wurde 1861 von James Walker entworfen und errichtet — dieselbe Ingenieurslinie, die Pembrokeshire schon den Smeaton-Enkel South Stack Lighthouse gegeben hatte. Das automatisierte Feuer zeigt heute den Charakter Fl(3)WR 15s — drei Blitze alle 15 Sekunden — und hat eine Reichweite von 18 Seemeilen im weißen Sektor. Es ist vollständig automatisiert und wird von Trinity House fernüberwacht.
Oberirdisch erinnert nichts am heutigen Turm an die Ereignisse von 1801. Der Holzbau Whitesides, auf dem Howell und Griffith ihr winterliches Drama erlebten, war längst verfallen, bevor der Graniturm seinen Platz einnahm.
Psychologie der Isolation
Die Geschichte vom Smalls hat Historiker und Psychologen gleichermaßen beschäftigt. Die extremen Belastungen einer mehrwöchigen Isolation auf einem Wellenbrecher-Leuchtturm — Schlafentzug durch das ständige Schütteln der Konstruktion, die Verantwortung für ein lebensrettendes Feuer, das ohne Unterbrechung brennen musste, und die Anwesenheit des verwesenden Kollegen — sind schwer vorstellbar. Howells Zustand bei seiner Rettung legt nahe, dass er zumindest eine akute Stressreaktion erlitten hatte, die seiner Zeit nach modernen psychiatrischen Kategorien wahrscheinlich als komplexes Trauma eingestuft worden wäre.
In der Leuchtturmgeschichte ist The Smalls 1801 ein äußerster Punkt auf einem Spektrum von Erfahrungen, das die Wärter der großen isolierten Leuchttürme — Eddystone, Bishop Rock, Bell Rock, Fastnet — über Generationen teilten: die Erfahrung von Einsamkeit, Verantwortung und Hilflosigkeit gegenüber dem Wetter.
Das Erbe in der Bemannungspolitik
Die Drei-Mann-Regel, die nach 1801 schrittweise kodifiziert wurde, blieb für fast 200 Jahre der Standard für isolierte Wellenbrechertürme in Großbritannien und wurde von anderen Leuchtturmbehörden weltweit als Richtlinie übernommen. Erst mit der vollständigen Automatisierung der britischen Leuchttürme — der letzte besetzte Turm, North Foreland in Kent, wurde 1998 auf automatischen Betrieb umgestellt — wurde sie obsolet.
Wer heute die Position von The Smalls auf der interaktiven Karte sucht, findet einen Punkt 35 Kilometer vor der Küste Pembrokeshires, wo ein automatisches Blinklicht still und regelmäßig arbeitet, ohne dass ein Mensch dabei ist. Was 1801 geschah, ist zu einer Fußnote im großen Buchhalter der Leuchtturmgeschichte geworden — aber einer Fußnote, die die grundlegenden Regeln über das Leben und Sterben auf einem Leuchtturm dauerhaft verändert hat.